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«Die Wärme neben dem Licht»

Elly Frankl, die Ehefrau des berühmten österreichischen Neurologen und Psychiaters Viktor Frankl, ist vor kurzem im biblischen Alter von 100 Jahren in Wien verstorben. Ich hatte das grosse Glück, der ebenso gewinnenden wie witzig-schlagfertigen Dame vor einigen Jahren persönlich zu begegnen.

 

Eleonore Katharina Schwindt lernte ihren späteren Ehemann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an der Wiener Polyklinik kennen. Viktor Frankl hatte nahezu seine gesamte Familie im Holocaust verloren und war am Boden zerstört. Es war Liebe auf den ersten Blick.

 

«Viktor war nach dem Krieg schwer depressiv», erzählte Elly im Gespräch. Sie arbeitete damals als Krankenschwester in der Zahnheilkunde, während Viktor Frankl auf der Neurologie seinen Dienst tat. 1947 heirateten die beiden und blieben bis zum Tod Viktor Frankls während eines halben Jahrhunderts ein Liebespaar.

 

«Es war nicht immer leicht für mich», sagte Elly schmunzelnd. «Wir sind zwar rund um die Welt geflogen. Und was habe ich gesehen? Hörsäle. Doch Hörsäle sind überall auf der Welt gleich.»

 

Auch im hohen Alter blieben ihre Augen wach und neugierig. Im Laufe ihres Lebens begegnete sie zahlreichen Persönlichkeiten, darunter Eleanor Roosevelt, Abraham Maslow, Karl Jaspers, Martin Heidegger und den Gorbatschows.

 

«Viele bedeutende Leute haben mit meinem Mann oft bis vier Uhr morgens geredet. Heidegger zum Beispiel oder auch Kardinal König. Je prominenter die Leute waren, desto unkomplizierter waren sie. Wichtig war mir nicht die Person an sich, sondern das, was dahintersteckt.»

 

Elly selbst stammte aus einfachen Verhältnissen. Bereits als Achtjährige arbeitete sie als Toilettenfrau auf der Trabrennbahn, um ein paar Schilling zu verdienen. Ihre Eltern waren arbeitslos und bettelarm. «Aber ich liebte sie und würde mich wieder für sie entscheiden, wenn ich noch einmal auf diese Welt käme.» Sie sei ein schreckliches Kind gewesen: «Immer habe ich gemacht, was ich wollte.»

 

Elly war zwanzig Jahre jünger als ihr Mann und unterstützte ihn zeitlebens bei seiner Arbeit. Sie widmete ihr Leben der «gelebten Logotherapie» und machte, wie das Viktor-Frankl-Zentrum in einem Nachruf schrieb, «aus vielen leidenden Menschen liebende Menschen».

 

Der amerikanische Philosoph und Autor Jacob Needleman beschrieb Elly einmal als «die Wärme, die das Licht begleitet». Mit Geduld, Humor und Warmherzigkeit gab sie ihrem hochintelligenten und rastlosen Ehemann nach der Shoah neuen Halt und einen neuen Lebenssinn. Sie wurde zu seiner engsten Weggefährtin und trug ihren Teil dazu bei, dass die Logotherapie weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt wurde.

 

Mit Elly Frankl verliert die Welt eine aussergewöhnliche Frau. Möge sie in Frieden ruhen.

 

 
 
 

1 Kommentar


Gast
vor 4 Stunden

Elly Frankl verleiht der Welt mehr Wärme, die über ihren Tod hinaus weiterlebt 🌻

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