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«Wir haben das Paradies in uns zu schöpfen!»

Es sind Aussagen wie die obige, die uns aufrütteln. Manchmal sind es auch Fragen, die uns innerlich aufhorchen lassen, wie etwa: «Und jetzt – was ist jetzt deine Aufgabe?»


Solche gedanklichen Impulse sind uns aus der Literatur, der Philosophie oder der Psychologie bekannt. Wir lesen sie vielleicht in einem Buch und machen uns, im besten Fall, einige Gedanken dazu. Dann legen wir die Lektüre wieder zur Seite.


Wenn uns jedoch ein Mensch mit solchen – oder ähnlich herausfordernden – Sätzen begegnet, ist ihre Wirkung ungleich grösser. Vor allem dann, wenn es sich um einen Menschen handelt, dessen Gesicht allein schon ein ganzes Leben in all seinen Licht- und Schattenseiten zu widerspiegeln scheint.


So erging es mir vor einiger Zeit bei einem Gespräch mit Ute Karin Höllrigl in Zürich. Unsere Begegnung war eine Fügung, die sich über mehrere Ecken ergeben hatte. Und das, obwohl wir ganz unterschiedliche Biografien haben und verschiedenen Alters sind. Doch Seelenverwandtschaft kennt bekanntlich keine Grenzen.


Ute Karin sass einfach da im Museumscafé: mit ihrem weissen, leicht gewellten Haar, aufrechter Haltung und ausgesprochen elegant gekleidet. Wir kannten uns zuvor nicht persönlich. Als sich jedoch unsere Blicke von Weitem trafen, spürten wir instinktiv, dass wir miteinander verabredet waren.


Ute Karin Höllrigl wurde 1939 geboren und wuchs in Österreich und der Schweiz auf. Ursprünglich studierte sie Rechtswissenschaften und arbeitete viele Jahre als Jugendanwältin in der Schweiz. Später folgte sie einer Berufung und begann ein Studium am C.G. Jung-Institut Zürich. Einige Jahre danach eröffnete sie eine eigene Praxis als analytische Psychologin in Wien.


Gerade war sie von der Feier zum 100. Geburtstag des Benediktinermönchs David Steindl-Rast im Tirol nach Zürich zurückgekehrt. Steindl-Rast war einer ihrer Lehrer, neben vielen anderen. Die Dankbarkeit als lebendige Grundhaltung, die der Mönch bis heute vermittelt, hat sie längst auch in ihr Leben integriert – bis in die kleinsten Details, wie man sofort erkennt.


Meine Gesprächspartnerin konzentriert sich auf Wesentliches, stets mit hellem Geist und einem mädchenhaften Lachen, das ihre Worte immer wieder begleitet. Wenn es ihr ganz ernst ist, nimmt sie sogar meine Hände und schüttelt sie kräftig. Auch das ist eine Art Therapie, obwohl wir uns nicht speziell zu diesem Zweck verabredet haben.


Noch immer leitet Höllrigl als Lehranalytikerin Traumseminare in verschiedenen Bildungshäusern im deutschsprachigen Raum. Bekannt ist sie auch für ihre Bücher, etwa «Im Zeitlosen verwurzelt» oder «Der andere Kontinent». In ihnen verbindet sie die Traumarbeit von C.G. Jung mit der Poesie berühmter Dichterinnen und Dichter wie Ingeborg Bachmann, Hilde Domin, Rainer Maria Rilke oder Pedro Calderón. Im Grunde geht es Ute Karin Höllrigl um nichts Geringeres als um unser eigenes, nie abgeschlossenes Werden – um jenen Prozess also, zu dem wir als Menschen bestimmt sind.


«Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.» Dieses Zitat von Guy de Maupassant ist nicht neu – und doch immer wieder wahr. In meinem dreieinhalbstündigen Gespräch mit Ute Karin Höllrigl durfte ich einmal mehr erfahren, was Resonanz bewirken kann: das grosse Glück, dass manche Menschen Seiten ins uns zum Klingen bringen, von deren Existenz wir vielleicht selbst noch nichts wussten. Wenn wir offen sind, entfaltet sich in jedem existenziellen Gespräch immer wieder ein Bouquet aus Blumen.


Mit diesem kleinen Beitrag möchte ich auf die menschliche Begegnung als solche anstossen: auf das, was sie in Bewegung bringt – das Neue und Mutmachende, Reflexion und Perspektivwechsel, Veränderungen, Kreativität und Erkenntnis. Eigentlich ist es gar nicht so anders als bei einem Fussballspiel: Auch das Leben will immer wieder neu angestossen werden – manchmal mit Wucht, manchmal mit Behutsamkeit.    

 

 

 

 

 
 
 

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