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Zukunft aus Herkunft – erzählt durch Flucht und Farben

Der Ausspruch «Zukunft braucht Herkunft» des deutschen Philosophen Udo Marquard hat sich in den vergangenen Jahren zu einem geflügelten Wort entwickelt. Kürzlich hat ihn der ebenso umtriebige wie vielseitige Publizist Harald Welzer sogar zum Untertitel seines neuen Buches «Das Haus der Gefühle» gemacht.


Tatsächlich eignet sich diese prägnante Formel hervorragend für philosophische, sozialwissenschaftliche oder kulturkritische Betrachtungen. Sie verdichtet in drei Worten einen ganzen Theoriehorizont und fordert gerade deshalb zur Auseinandersetzung heraus. Wer über die Zukunft nachdenkt, kommt an der Frage nach der Herkunft nicht vorbei.


In einem Gespräch mit dem ukrainischen Künstler Alexander Glinkin wurde mir diese Formulierung einmal mehr und ganz bewusst vor Augen geführt. Glinkin wurde 1966 in Kyjiw geboren, emigrierte 1990 in die USA und lebt seit 2022 in Berlin. Seine sowjetische Vergangenheit hat ihn nachhaltig geprägt. Mit spürbarer Nostalgie erzählt er von den Gesprächen mit Künstlern, Dichtern und Schauspielern am legendären Küchentisch der elterlichen Wohnung – einem Ort, «wo sich das Leben auf die ehrlichste und menschlichste Weise entfaltete». Ebenso erinnert er sich an seine Zeit als offizieller Zeichner in der Sowjetarmee, als er Propagandaslogans schreiben und Lenin-Porträts malen musste.


Besonders berührend sind jedoch jene Passagen, in denen Alexander Glinkin über seine Eltern spricht. Gerade heute, da die Kritik an familiärer Prägung und Erziehung bei vielen Psychologen hoch im Kurs steht, lohnt es sich, auch die positiven Kräfte der Herkunft in den Blick zu nehmen.


«Meine Eltern waren wirklich wundervolle Menschen. Alles Gute in mir stammt in erster Linie von ihnen», schrieb mir Alexander nach unserem Gespräch. Und weiter: «Vielleicht sehen Väter manchmal klarer als wir uns selbst.» Über seine Mutter sagt er: «Sie glaubte immer, dass Güte und Liebe keine abstrakten Ideen sind, sondern tatsächlich Gesetze unserer Existenz. Je älter ich werde, desto besser verstehe ich sie.»


Alexander Glinkin ist nicht nur ein begnadeter Maler, sondern auch ein aussergewöhnlich sympathischer und feinfühliger Mensch. Wer mehr über ihn und seinen Lebensweg erfahren möchte, dem sei das folgende Interview wärmstens empfohlen: https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/flucht-und-farben/


 

 
 
 

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